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Bibliothek am Wasserturm
Prenzlauer Allee 227/228, 10405 Berlin,
Tel. (030) 90295-3921
Nachdem Lutz Seiler 2007 mit einem Prosastück den Bachmann-Preis erringen
konnte, wagt er sich erstmals
an einen Er- zählband (Suhrkamp 2009), der neben der preis- gekrönten Erzählung
zwölf weitere Kurzge- schichten (u.a. „Die Zeitwaage“) enthält. Diese
Kurzgeschichten sind in Ton und Sujet durch- aus unterschiedlich geraten, führen
den Leser aber immer wieder in die Kindheit und Jugend des 1963 in Gera
geborenen Autors zurück, so dass dieser gelegentlich mit dem Erzähler zu
verschmelzen scheint. Es sind spröde, nachdenkliche, ja grüblerische und schmerzhaft-genaue
Geschichten – ge- schrieben mit der handwerklichen Sorgfalt des Arbeiters, der
Lutz Seiler einmal gewesen ist. Vor allem aber sind es Geschichten über
Umbrüche im Leben, im Leben eines Ostdeutschen vor und nach der Wende.
Eintritt: 8 €
Georg Büchner
Buchladen am Kollwitzplatz
Wörther Str.
16, 10405 Berlin, Tel. (030) 442 1301
Protagonistin der neuen Erzählung der gebürtigen Schwäbin
Anke Stelling (S. Fischer Verlag), ist die in Berlin lebende
Theaterwissenschaftlerin Katja. Sozialisiert durch Kinderladenbewegung und
friedensbewegte Eltern, hat die
30jährige gelernt „in sich hineinzuhorchen“,
ein selbstbestimmtes und erfogreiches – ein nach- gerade glückliches Leben zu
führen. Bisher, denn plötzlich kommen ihr Zweifel. Sie begibt sich auf die
Suche, reist zu ihrer ersten großen Liebe Reinardt ins östliche Sachsen, wohin
man den Jugendpfarrer, der nicht nur zu der jugend- lichen Katja sexuelle
Kontakte pflegt(e), nach der Wende strafversetzt hatte. Dort schließlich trifft
sie auch den Anhänger einer fundamentalchristlichen Sekte, bei dem sie offenbar das findet, was ihrem Leben gefehlt
hat: Führung statt Freiheit, Gefolgschaft statt Sinnsuche. Katja verfällt dem
hoffnungslos und gerät in eine lebensbedrohliche Liebe zwischen totaler Hingabe
und absoluter Abhängigkeit…
Eintritt: 8 €
Heinrich-Böll-Bibliothek
Greifswalder Str. 87, 10409 Berlin, Tel. (030) 421 2041
In seinem Roman "Vier Äpfel" (Rowohlt Verlag) schickt
der 1971 im Rheinland geborene, nun in Berlin lebende Autor David Wagner seinen
melancholischen Helden, der seiner Exfrau hinterher trauert und sich durch
tiefe Zweifel an der Welt und sich selbst auszeichnet, durch einen Supermarkt
irgendwo am Prenzlauer Berg. Was als kleiner Einkaufsbummel gedacht war, gerät schnell
zu einer Art Erweckungs- und Erkenntniserlebnis.
Eingeleitet durch einen schier
magischen Moment beim Wiegen von vier handelsüblichen Äpfeln, verliert sich der
namenlose Ich-Erzähler bei der Betrachtung von Tiefkühlpizza und Fischtheke in allerlei
Assoziationen, philosophischen Gedanken und Lebenseinsichten. Der Wagnersche
Supermarkt entpuppt sich als eine Art Paralleluniversum, als Abbild des Lebens,
Reflexionsraum und Objekt dezidierter Kon- sumkritik. Als der Protagonist
schließlich die Kasse erreicht, hat man nicht nur erfahren, warum Tiefkühlpizzen tieftraurige Wesen sind und was der ver- führerische Duft am Bäckerstand mit
chinesischem Haar zu tun hat, man hat auch viel über den "modernen Menschen,
seine Lebenswelt sowie letztlich über sich selbst" gelernt.
Eintritt: 5 €
Georg Büchner Buchladen am Kollwitzplatz
Wörther
Str. 16, 10405 Berlin, Tel. (030) 442 1301
„Viele sind gewandert!
Aber du bist vor allen gewandert.
Viele haben den Sand in ihren Schuhen zum Licht getragen,
Aber du hast, vielleicht,Mehr getragen als sie."
Die 1981 in Berlin geborene Jüdin Nelly Sachs floh 1940 vor
den Nazis nach Stockholm, wo sie bis zu ihrem Tod 1970 leben und ein
wesentlicher
Teil eines literarischen Werkes entstehen sollte, das ihr 1966 als
erster deutschsprachigen Dichterin den Literatur- nobelpreis eintrug. Aus
Anlass ihres 40. Todestages widmet ihr das Jüdische Museum Berlin seit kurzem
seine erste Literaturausstellung überhaupt – eine Rei- se in das „unsichtbare
Universum“ der Autorin. Diese ist mit „Flucht und Verwandlung“ betitelt, dem
Thema gemäß als Wanderausstellung konzipiert und wird durch eine umfangreiche
Bildbiografie sowie der Her- ausgabe einer vierbändigen Werkausgabe ergänzt. Der erste Band derselben, „Gedichte 1940-1950“, der analog zu Band 2 bereits bei Suhrkamp
erschienen ist, als auch der Ausstellungskatalog, werden vom Kurator der
Ausstellung, dem Schriftsteller Aris Fioretos, gemeinsam mit dem Suhrkamp-Verleger
Thomas Sparr vor- gestellt.
Eintritt: 10 € (ermäßigt 8 €)
Do, 10.6.2010, 23 Uhr - Jan Faktor: "Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag"
Kulturbrauerei (im Rahmen der Langen Berliner Büchernacht)
Schönhauser Allee 36,10435 Berlin
In dem neuesten Roman des in Berlin lebenden tschechischen
Autors Jan Faktor (herausgegeben von Kiepenheuer & Witsch),
geht es dem
Titel gemäß um Georg und dessen Sorgen um die Vergangenheit. Diese gehen Hand
in Hand mit seinem "unerschüt terlichen Glauben an eine helle Zukunft",
mit dem er seit Kindertagen ausge- stattet ist: Georg wächst im sozialistischen
Prag zur Zeit politischen Terrors, überirdischer Atomtests sowie des
Reformversuchs von 1968 auf. Hinzu kommt, dass er sich in einem reinen Frauenhaushalt
sowie gegen- über dem tyrannischen Onkel „Onkel“ und seiner über- strahlend schönen
Mutter zu behaupten hat. Letztlich bleibt ihm nur die Flucht nach vorn – in die
wenigen sich bietenden Freiräume, vor allem in seine Phan- tasie. Eine zentrale
wie subversive Rolle dabei spielt seine heranreifende Sexualität. Inwiefern,
dass sei dem ebenfalls als subversiv zu bezeichnenden Erzähltalent Faktors
überlassen, dem es gelungen ist, Entwicklungs- und Gesellschaftsroman zusammenzubringen,
ein vor Witz strotzendes Psychogramm einer Familie und ein hellsichtiges
Porträt einer Stadt zu zeichnen.
Kartenvorverkauf: Georg
Büchner Buchladen am Kollwitzplatz, Wörther
Str. 16, 10405 Berlin, Tel. (030) 442 1301
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Texte
& Fotos der Rubrik "Literaturwoche": Sophia Sprengel
(Praktikantin LiteraturOrt Prenzlauerberg e.V. April-Juni 2010)
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