|
Zum 15. Mal Literaturwoche Prenzlauer Berg!
Lesen Sie hier den Rückblick auf die Buchparty, das Literaturfest am Kollwitzplatz und die Lesungen.
Rückblick auf
die Literaturwoche 2012
Die Buchparty am Freitag, 1. Juni 2012
Den Auftakt zur Literaturwoche
Prenzlauer Berg 2012 machte die große Buchparty in der Ausstellungshalle der
Bibliothek am Wasserturm. Mit Wein, Musik, Programm und netten Gesprächen wurde
der Abend zu einem fröhlichen Beisammensein literaturbegeisterter Menschen.
Der LiteraturOrt Prenzlauer Berg e.V.
lud ein, um das 15. Jubiläum der Literaturwoche zu feiern und hatte in diesem
Sinne Autoren, Kunden und Freunde im Vorfeld dazu aufgerufen, ihren
persönlichen LiteraturOrt zu beschreiben, zu fotografieren oder auf andere Weise
zu Papier zu bringen.
Was dabei an vielfältigen Beiträgen heraus
kam, wurde von Sabeth Vilmar, Inhaberin des Georg Büchner Buchladens, Steffen
Gommel vom Fischer Verlag und Detlef Bahr, Vereinsmitglied und Mitarbeiter des
Georg Büchner Buchladens, lebhaft vorgetragen und visuell präsentiert.
Unter anderem dabei: die
LiteraturOrte von Marion Brasch, Jens Sparschuh und Sabine Ludwig. Knut Elstermann
trat selbst vors Publikum, um seinen LiteraturOrt vorzustellen.
Im Anschluss wurde die Frage an die
anwesenden Gäste weitergereicht, die sich nach zuerst verlegenen Blicken Richtung
Boden, doch zahlreich und kreativ daran beteiligten.
Nach einer kleinen Pause ging es
weiter im Programm mit Ahne. Seine Zwiegespräche mit Gott sorgten bei den
Zuhörern für herzliches Lachen und ausgelassene Stimmung.
Ihm folgte Radioeins DJ Wachtmeister
Hübner, der mit tanzbaren Klassikern die Gäste für den Rest des Abends zum Feiern
animierte.
Ahne in Aktion:
Erinnerungstücke aus den letzten 15 Jahre: LiteraturOrt Prenzlauer Berg
Das Literaturfest am Sonntag, 3. Juni 2012
Ein zu Beginn noch sonniger
Sonntag am Kollwitzplatz in Berlin Prenzlauer Berg. Morgens um 10 Uhr begann
das rege Treiben entlang der Wörtherstraße. 60 Verlage und 6 Buchhandlungen
kamen mit Kisten voll literarischer Schätze, um sie dem interessierten Publikum
zu präsentieren.
Das Bühnenprogramm im Festzelt wurde
um 12 Uhr durch Günther Lindner vom Theater o. N. eröffnet. Mit liebevoll und detailreich
gestalteten Requisiten stellte er die Geschichte der drei kleinen Schweinchen
und dem Wolf dar. Sowohl Kinder als auch Erwachsene waren begeistert!
Im Anschluss kam Claudia Kühn mit den
jungen Schreiberinnen und Schreibern ihrer Geschichtenwerkstatt auf die Bühne,
die ihre selbst verfassten Texte vortrugen.
Der Leseclub Undercover stellte auch
in diesem Jahr wieder seine Lieblingbücher vor. Die mutigen Kinder und
Jugendlichen lasen ganz wunderbar aus ihnen vor und begründeten, warum ihre
Wahl z.B. auf Kirsten Boies Jungen, der Gedanken lesen konnte, fiel.
Tamara Bach las aus ihrem Roman „Was
vom Sommer übrig ist“ und beantwortete danach die Fragen der Kinder des
Leseclubs. Auf die Frage, warum sie Bücher für Kinder und Jugendliche schreibe,
antwortete sie ins Publikum: „Liebe Erwachsene, ihr dürft auch gerne meine Bücher
lesen!“ Außerdem ließ sie uns wissen, dass sie meist Anfang und Ende eines
Buches zu Beginn des Schreibens kenne, allerdings das ganze Dazwischen erst im
Verlauf der Arbeit daran entwickle.
Das offizielle Erwachsenenprogramm
begann dann mit der Berliner Autorin Annett Gröschner, die ihren neuen Roman
„Walpurgisnacht“ vorstellte, in dem sie anhand verschiedener Figuren und
Geschichten den Ausnahmezustand der Stadt am 30. April beschreibt. Klug und
sehr witzig!
Als nächste folgte Tanja Dückers mit
ihrem Roman „Hausers Zimmer“. Moderator Salli Sallmann vom rbb befragte die
Autorin ausführlich zur West-Berliner Altbauwohnung, in der die Protagonistin
des Romans Julika Zürn mit ihrer Familie lebt und von wo aus sie das Zimmer
ihres Nachbarn, Hauser, beobachtet und träumt. 10 Jahre lang arbeitete Tanja
Dückers an diesem Buch, das ein Gesellschaftsbild der Berliner Bezirke
Wilmersdorf, Charlottenburg und Schöneberg der frühen 80er Jahren des
vergangenen Jahrhunderts zeichnet.
André Kubiczek las im Anschluss aus
seinem neuen Roman „Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn“, eine
Familiengeschichte aus der ehemaligen DDR, in der der Autor auch viel
Autobiografisches miteingeflochten hat.
Noch ein autobiografisch
beeinflusstes Buch präsentierte Bernd Cailloux. „Gutgeschriebene Verluste“ ist
ein Erinnerungsroman, der besonders die späten 1970er Jahren reflektiert, die
Zeit, als Cailloux nach Berlin kam.
Um 16 Uhr wurde der Literaturpreis
Prenzlauer Berg 2012 verliehen. Die Jury bestand in diesem Jahr aus Jan Brandt,
Autor und Sieger des Jahres 2001, Frank Jakobs von der Literaturagentur
Landwehr & Cie und Dr. Wilhelm Trapp vom Rowohlt Verlag.
Die 10 Nominierten hatten am
Vormittag in der Bibliothek am Wasserturm ihre Texte zum Thema „Wildnis in der
Stadt“ vorgetragen und warteten nun gespannt wie auch das Publikum auf die
Entscheidung.
Es war keine leichte Wahl, die die
Jury zu treffen hatte. Alle 10 Texte der Nominierten waren außerordentlich gut
gelungen. Der erste Preis ging an Christoph Schreiber mit 1990. Den zweiten
Preis erhielten Anna-Maria Brehm und Jan Decker.
Jurymitglied Wilhelm Trapp moderierte
danach auch den Auftritt von Albrecht Selge, der aus seinem Roman „Wach“ las.
Der Erzähler leidet an
Schlaflosigkeit und spaziert nachts durch die Stadt. Er beobachtet, er denkt
nach und nimmt den Leser mit auf seinen Spaziergang.
Maxim Leo und Jochen-Martin Gutsch
kündigten sich selbst mit den Worten „Hier kommt der Sonnenschein“ an, welches
Versprechen sie auch absolut erfüllen sollten. Der Regen prasselte aufs
Zeltdach und sorgte für durchaus romantische Stimmung, wie Herr Leo befand. Sie
trugen drei der sehr unterhaltsamen Emailwechsel aus ihrem kürzlich
erschienenen Buch „Sprechende Männer. Das ehrlichste Buch der Welt“ vor, in dem
unter anderem die Thematik des systematischen Einkaufens durch präzise
Anordnungen der Ehefrau auf Einkaufzetteln erörtert wurde.
Claudia Rusch und Nicol Ljubic lasen
aus „Schluss mit der Deutschenfeindlichkeit“, eine Sammlung von 17 Texten
deutscher Autoren mit ausländischen Wurzeln, die beschreiben, wie es sich für
sie anfühlt im Deutschland der Integrationsdebatten zu leben und ständig wieder
in die Schublade der Migranten gesteckt zu werden. Unter anderem dabei:
Beiträge von Ijoma Mangold, Hertha Müller und Selim Özdogan.
Marion Brasch, hier mit Maxim Leo,
Steffen Gommel, Sabeth Vilmar und Jochen-Martin Gutsch, war um 18 Uhr auf der
Lesebühne mit ihrem ersten Roman „Ab jetzt ist Ruhe“, in dem sie sich mit ihrer
Familiengeschichte auseinandergesetzt hat. Sie las ohne Mikrofon, da der Regen
mittlerweile den Stromanschluss im Zelt außer Gefecht gesetzt hatte.
Die Literaturagenten von radioeins
begannen derweil mit der Live-Übertragung ihrer Sendung vom Kollwitzplatz.
Von 18-20 Uhr wurden tolle Bücher vorgestellt und interessante Interviews geführt.
Unter unserer Rubrik Pressestimmen findet man den Link zur Sendung.
Das Schlusslicht des Bühnenprogramms
bildete der Schauspieler und Synchronsprecher Timmo Niesner, der aus Wolfgang
Herrndorfs „Tschick“ las. Das Publikum war ebenso angetan, wie seine eigenen
Kinder, die nach dem Auftritt gleich mit auf die Bühne sprangen.
Das Wetter hatte uns zwar einen
Strich durch die Rechnung gemacht, doch war kaum jemandem die gute Laune zu
verderben. Ob es die Gäste, die Autoren auf der Bühne oder die durchgefrorenen
Verleger und Buchhändler an ihren Ständen waren, es freuen sich alle schon auf
das Literaturfest im nächsten Jahr. Aber bitte ohne Regenpfützen!
Lesung mit Nina Bußmann am Dienstag, 5. Juni 2012
In intimer Atmosphäre las Nina
Bußmann am Dienstag Abend im Georg Büchner Buchladen aus ihrem im Suhrkamp
Verlag erschienenen Debüt-Roman „Große Ferien“.
Ihre wohltuend angenehme Stimme und perfektionierte
Vortragsweise ließ beim Zuhörer den Wunsch aufkommen, sie möge ihren Roman als
Hörbuch selbst vertonen.
Fotos und Bericht: Alena Glandien
|